FTIStrap - ein voll funktionsfähiger 3D-Drucker aus
fischertechnik
3D-Drucker sind Geräte, die - ausgehend von einem
Computermodell - den zugehörigen realen Gegenstand fertigen. Unter dem
Begriff "rapid prototyping" ist dieses Verfahren in der Industrie
bereits seit Jahren im Einsatz - die entsprechenden Anlagen sind jedoch
derart teuer, daß sie für Privatpersonen nicht in Frage kommen. Auf
dieser Seite erfahren Sie deshalb, wie sie einen 3D-Drucker mit
akzeptabler Druckqualität selber bauen können - dank fischertechnik ist
für den Selbstbau nicht einmal besonderes technisches Geschick
erforderlich!
Direkt zur Bauanleitung
für den FTIStrap...
3D-Drucker - was ist das?
3D-Drucker sind Geräte, die - ausgehend von einem
Computermodell - den zugehörigen realen Gegenstand fertigen. Anders als
CNC-Fräsen, die aus einem massiven Materialblock alles herausschneiden,
was nicht zum späteren Objekt gehört (und entsprechend viel Lärm und
Abfall erzeugen), tragen 3D-Drucker jedoch von vorneherein nur an den
Stellen Material auf, wo es das Objekt erfordert. Auf diese Weise wird
ein Gegenstand von Grund auf Schicht für Schicht aufgebaut.
Unter dem Begriff "rapid prototyping" werden entsprechende
Verfahren bereits seit fast 30 Jahren in Forschung und Industrie
eingesetzt: heutzutage nutzen z.B. die Modellbauabteilungen großer
Firmen diese Technik, um ausgehend von CAD-Entwürfen möglichst schnell
Prototypen herstellen zu
können.
Industrielle 3D-Drucker bewegen sich preislich in Regionen, die für Privatpersonen unerschwinglich sind. Seit geraumer Zeit wird
zwar an einem Drucker [1] gearbeitet, den sich (bei
einem geplanten
Verkaufspreis von 5000 US-$) auch kleine Firmen und Privatpersonen
werden leisten können - anders als es die Web-Seiten der Firma auf den
ersten Blick suggerieren, ist dieser Drucker jedoch noch nicht
erhältlich und kann lediglich vorbestellt werden: der
tatsächliche Liefertermin steht bislang noch nicht fest.
Mindestens zwei Forschungsprojekte befassen sich deshalb
mit
der Möglichkeit, sich einen 3D-Drucker selber zu bauen: das Projekt Fab@Home
[2] bietet einen Bausatz für einen Drucker an, dessen
Extruder auf
Spritzenbasis arbeiten: das zu druckende Material wird ggfs. erhitzt,
in eine Spritze gefüllt und durch die Kanüle kontrolliert auf eine
Unterlage gespritzt. Dank dieses Prinzips lassen sich auch "exotische"
Materialien (wie z.B. Schokolade) verarbeiten.
Das zweite, von Adrian Bowyer an der Bath University in
Großbritannien
ins Leben gerufene, "Reprap"-Projekt
[3] hat sich zum Ziel gesetzt,
3D-Drucker zu konstruieren, die (unter anderem) auch diejenigen Teile
drucken können, die man benötigt, um einen weiteren solchen Drucker
zusammenzubauen. Von diesem Grundprinzip leitet sich auch der Name des
Projektes ab: "Reprap"s sind "Replicating Rapid-Prototypers", mithin
also Maschinen, die sich selber replizieren.
Alle Baupläne sowie die benötigte Software sind kostenlos im
Internet erhältlich, der Materialwert eines Reprap-Druckers beläuft
sich auf etwa 500.- EUR. Für
den Zusammenbau ist jedoch eine gehörige Portion technisches Geschick
erforderlich.
Wie bei jeder Kopierkette muß es auch für die
Repraps ein Original geben, d.h. einen ersten Teilesatz für
einen ersten RepRap-Drucker. Diese Teile können auf eine beliebige
Weise gefertigt werden, z.B. von Hand, mit einer CNC-Fräse oder mit
einem anderen 3D-Drucker, der dann "RepStrap" genannt wird.
Hier
kommt schließlich der FTIStrap
des Autors in's Spiel: mithilfe von
fischertechnik und einigen wenigen anderen Bauteilen, die Sie
problemlos im Modellbaufachgeschäft sowie im Supermarkt erhalten,
können Sie ohne sonderliches technisches Geschick
einen solchen
RepStrap-Drucker zusammenbauen - Sie müssen nicht einmal zum
Lötkolben greifen, da die Ansteuerung der Motoren über ein
fischertechnik-Interface erfolgt.
Auch für den FTIStrap gilt: Bauanleitung und Software (für
Windows, Linux und MacOS X) erhalten Sie kostenlos im
Internet, der
Materialwert des Druckers beläuft sich auf etwa 800.- EUR.
Sobald Sie alle Teile beisammen haben, können Sie den
FTIStrap-Drucker problemlos binnen eines einzigen Tages aufbauen (haben
Sie für kommendes Wochenende schon etwas vor?)
Eine Reihe von Personen hat den FTIStrap
bereits nachgebaut - und wann bauen Sie Ihren
ersten 3D-Drucker?
Auswirkungen auf die Gesellschaft
Bedenkt man, daß der Grundgedanke des 3D-Druckens fast 30
Jahre alt ist, verwundert es schon, warum immer noch so wenig Menschen
von dieser Technik wissen.
Betrachtet
man aber die aktuellen Entwicklungen auf diesem
Gebiet, so merkt man schnell, daß es wohl nicht mehr allzu lange dauern
wird, bis 3D-Drucker in die Haushalte einziehen werden. Einer Schätzung
des Autors zufolge werden in den kommenden fünf Jahren die ersten
Geräte auf den Schreibtischen der "Technik-Freaks" landen - und in zehn
Jahren werden die meisten Haushalte einen 3D-Drucker besitzen. Sie
glauben nicht daran? Dann denken Sie doch im Vergleich dazu an den
Siegeszug der (Farb-)Laserdrucker - wer hätte vor wenigen Jahren
gedacht, daß man Farblaserdrucker einmal für weniger als 400.- EUR
erstehen könnte?
Die
Konsequenzen für die Gesellschaft sind dabei kaum
abzuschätzen - vor allem wenn man sich vor Augen hält, welches Gezeter
Musik- und Filmindustrie in den vergangenen Jahren um Tauschbörsen und
Downloads gemacht haben (und dabei ging es "nur" um leicht kopierbare
"Software", mit einem 3D-Drucker können Sie dagegen "Hardware"
kopieren!)
Man stelle sich die Auswirkungen auf das Patentrecht vor:
bislang verhindern Patente, daß Firmen Produkte (wie z.B. Dübel) millionenfach herstellen, ohne dafür Lizenzgebühren zu
entrichten - wenn nun aber Millionen Haushalte genau zum gewünschten
Zeitpunkt genau so viele Dübel produzieren wie gerade benötigt werden,
werden ebenfalls Millionenstückzahlen produziert...nur fallen keine
Lizenzgebühren an!
Vermutlich werden es nicht gerade "Dübel" sein, die als
erstes in großem Stil gedruckt werden. Stattdessen ist zu erwarten,
daß Spielzeug, Modellbau-Zubehör, vielleicht Handy-Oberschalen und
andere Design-Objekte sowie Haushaltsgegenstände kopiert werden, bei
denen es mehr auf die Form denn auf das Material ankommt. Die
Spielzeug- und Modellbau-Industrie wird die Auswirkungen der 3D-Drucker
folglich wohl als erstes zu spüren bekommen...
Sobald
man die rechtlichen Aspekte in den Griff bekommen hat,
können 3D-Drucker ihre positiven Seiten ausspielen: je nach verwendetem
Material können nicht mehr benötigte Drucke vergleichsweise einfach
wiederverwertet werden, z.B. indem man sie aufschmilzt und dem Drucker wieder zuführt. Selbst wenn nicht: da man
defekte Teile (z.B. eines Haushaltsgerätes) nicht mehr notwendigerweise
nachbestellen muß sondern zuhause nachdrucken kann, wird das (aufgrund
hoher Personalkosten) etwas aus der Mode gekommene "Reparieren"
defekter Geräte wieder interessant - übrigens auch für die Hersteller,
die sich die entsprechende Logistik sparen können. Die Suche nach
Lösungen für den Haushalt wird zur (weltweiten) Recherche im Internet:
sobald Sie etwas passendes gefunden haben, drucken Sie es sich in der
gewünschten Größe und Stückzahl aus!
Desweiteren
lassen sich mit einem 3D-Drucker problemlos auch
konfektionierte, also an die persönlichen Bedürfnisse angepaßte,
Gegenstände erstellen. Dank der Flexibilität des "Rapid Prototyping"
werden Klein- und Kleinstserien auf einmal auch für die Industrie
wieder interessant. Und mit dem entsprechenden Urheberschutz kann
plötzlich jeder zu einem Entwickler und Anbieter z.B. vonDesignobjekten
werden - schließlich sind weder aufwendige Produktionsanlagen noch die
zugehörige Logistik mehr erforderlich: eine einfache Web-Seite reicht
völlig aus! Selbst Künstlern eröffnen sich mit einem 3D-Drucker ganz
neue Möglichkeiten...
Literaturhinweise
[1]
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Desktop
Factory: 3D Printers
(siehe http://www.desktopfactory.com/)
seit Jahren wird daran gearbeitet, einen
(semi-)professionellen 3D-Drucker zu konstruieren, der auch für
kleinere Firmen und Privatleute erschwinglich ist. Zwar ist ein solcher
Drucker bislang immer noch nicht erhältlich, man darf aber wohl davon
ausgehen, daß es nicht mehr allzu langen dauern sollte, bis dieser
Traum Wirklichkeit wird...
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[2]
|
Fab@Home
(siehe http://fabathome.org/wiki/index.php?title=Main_Page)
das Projekt Fab@Home konstruiert 3D-Drucker, deren
Extruder auf Spritzenbasis arbeiten: das Material wird (ggfs. erhitzt
und) in eine Spritze gefüllt und durch die Kanüle kontrolliert auf
eine Unterlage gespritzt. Auf diese Weise lassen sich auch "exotische"
Materialien (wie z.B. Schokolade) verarbeiten. Konstruktionspläne,
Bauanleitungen und Software können kostenlos aus dem Internet bezogen
werden.
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[3]
|
Reprap - "Wealth
without money..."
(siehe http://www.reprap.org/bin/view/Main/WebHome)
das Reprap-Projekt konstruiert 3D-Drucker, die sich
selber (zumindest teilweise) replizieren können. Auf diese Weise
(nämlich indem jeder Reprap-Drucker die Teile für weitere Repraps
fabriziert) soll es zu einer schnellen Verbreitung von 3D-Druckern
kommen. Da Reprap-Drucker sowohl preiswert sind als auch qualitativ
hochwertige Ergebnisse produzieren, sind diese Geräte auch "für den
Hausgebrauch" geeignet.
|
[4]
|
Andrei Novac et al.
The Rapid Prototyping Home Page
(siehe http://www.rapidprototypinghomepage.com/)
Sie möchten mehr über das Thema 3D-Drucken bzw. "Rapid Prototyping" erfahren?
Dann werfen Sie einen Blick auf diese Seite mit ihren unzähligen
Verweisen auf Dritt-Literatur zum Thema - und bringen Sie viel Zeit
mit...
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| http://www.Rozek.de/FTIStrap/index_de.html |
Stand: 22.09.2009 |
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